Erste Hilfe für Zahnprobleme im Urlaub von dr. Achim Gauchel, Zahnarzt Düsseldorf

Erste-Hilfe-Tipps bei Zahnschmerzen im Urlaub

Unser Blogartikel im März handelte davon, wie Sie durch rechtzeitige Vorsorge Zahnschmerzen im Urlaub vermeiden können.

Und wie ich damals bereits schrieb, können sich auch bei größter Umsicht einmal Probleme an den Zähnen oder mit dem Zahnersatz während Ihrer Reise einstellen.

Daher möchte ich Ihnen einige Tipps mit auf den Weg geben, wie Sie sich in einer solchen Notlage verhalten und vorübergehend helfen können. Der Gang zum Zahnarzt ist aber letztlich unvermeidbar. 

Zahnschmerzen und Schwellungen

Da es mehr Gründe für Zahnschmerzen gibt, als wir beide Zähne im Mund haben, ist der Gang zum Zahnarzt die beste Lösung. Bis dahin können Sie sich mit einem für Sie verträglichen Schmerzmittel Linderung verschaffen.

Bei Schwellungen helfen kalte Umschläge. Ein mit kaltem Wasser getränkter Waschlappen ist ideal. Bei der Verwendung von Eiswürfeln, Kühlakkus oder ähnlichem sollten Sie diese in ein Tuch wickeln, um oberflächliche Erfrierungen zu vermeiden.

Ausgeschlagener Zahn

Zunächst einmal Ruhe bewahren. Blutungen am Kiefer können Sie durch Aufbeißen auf ein sauberes, zu einer Rolle geformtes Tuch stillen.

Versorgen Sie eventuell vorhandene Verletzungen im Gesicht. Der Verbandskasten aus dem Auto ist dabei sehr hilfreich. Für Flug- oder Bahnreisen empfehlen wir auch generell ein kleines Erste-Hilfe-Set mit auf Reisen zu nehmen.

Suchen Sie den Zahn oder Zahnanteil. Fassen Sie ihn möglichst nicht an der Wurzel an und versuchen Sie nicht, ihn zu säubern. Ideal ist die Aufbewahrung in einer  Zahnrettungsbox. Diese enthält eine spezielle Nährlösung, in der ein Zahn bis zu zwei Tagen aufbewahrt werden kann.

Glauben Sie mir als Zahnarzt und Vater: Wenn Sie mit Kindern unterwegs sind, ist dar Kauf eine sinnvolle Anschaffung. Erhältlich ist sie in Apotheken. Falls nichts anderes zur Hand ist, können Sie den Zahn auch für ca. zwei Stunden in H-Milch oder für circa 30 Minuten in Frischhaltefolie oder isotonischer Kochsalzlösung aufbewahren.

Suchen Sie sobald als möglich einen Zahnarzt auf. Bei äußerlichen Verletzungen denken Sie bitte an den Tetanusschutz!

Zahnfleischprobleme

Bei schmerzendem, geschwollenem und blutendem Zahnfleisch können Chlorhexidin-Präparate aus der Apotheke als Spülung oder Gel helfen.

Verwenden Sie die Spülung mehrmals täglich und lassen Sie sie jeweils ca. eine Minute einwirken. Das Gel bringen Sie mit einer Zahnbürste oder direkt aus der Tube an die schmerzende Stelle. 

Zahnspange gebrochen oder verbogen

Das ist, zumindest für die kurze Zeit eines Urlaubs, nicht weiter schlimm. Der Erfolg der kieferorthopädische Behandlung ist nicht gefährdet, wenn die Spange ein paar Tage nicht getragen wird.

Lassen Sie diese zu Hause reparieren und genießen Sie bis dahin Ihren Urlaub.

Probleme mit Prothesen

Ein kleiner Sprung oder Riss in der Prothese ist noch nicht tragisch, sofern die Stabilität der Prothese insgesamt noch gegeben ist. Vermeiden Sie das Kauen harter Nahrung und lassen Sie die Prothese zuhause reparieren.

Wenn eine kleine Ecke vom Prothesenkunststoff abgebrochen ist und an der Schleimhaut schmerzhaft scheuert, können Sie diese mit einem weichen Kaugummi abdecken und dann einen Zahnarzt aufsuchen. Ist dies nicht möglich, können Sie mit einer Nagelfeile vorsichtig (!) die scharfen Kanten ein wenig runden.

Der Alptraum eines Prothesenträgers ist jedoch das Zerbrechen seiner Prothese. Als Notmaßnahme können Sie versuchen, die Prothese mithilfe von Haftcreme oder Haftpolstern im Mund zu fixieren.

Sehen Sie von Reparaturen mit Klebstoffen jedweder Art jedoch unbedingt ab. Zum einen hält es nicht, zum anderen können die Inhaltsstoffe der Klebstoffe Schleimhautreizungen oder Allergien auslösen.

Wenn das Metallgerüst einer Prothese verbogen ist, sollten Sie eigene Reparaturversuche unterlassen. Die Gefahr, die Prothese zu zerstören ist zu groß. Hier ist professionelle Hilfe notwendig.

Der beste Rat, den ich Prothesenträgern geben kann, ist die Mitnahme einer Reiseprothese. Vor allem, wenn Sie oft und lange auf Reisen sind.

Als Reiseprothese kann zum Beispiel eine alte oder provisorische Prothese dienen. Eventuell muss diese aber vorab beim Zahnarzt angepasst oder umgearbeitet werden.

Oder Sie lassen ein einfaches Duplikat Ihrer Prothese anfertigen. Die dabei entstehenden Kosten werden jedoch von den Versicherungen nicht übernommen.

Gelockerte Kronen und Brücken, gebrochene Provisorien

Sollte sich eine Krone oder Brücke lösen, spülen Sie sie vorsichtig aus, belassen aber fest haftende Reste des Zementes in der Krone. Zuweilen lassen sich Kronen so wieder aufsetzen.

Hält dies nicht, kann etwas Zahncreme oder Prothesenhaftcreme aus der Drogerie kurzzeitig helfen. Gleiches gilt für provisorische Kronen. Auch hier kann ich nur davon abraten, eine Krone mit Klebstoff wieder zu befestigen (s.o.).

Sollte es unvermeidbar sein, mit provisorischen Kronen oder Brücken zu verreisen, geben wir unseren Patienten die zur Herstellung verwendete Silikonform mit. Damit lässt sich auch im Falle des Zerbrechens eine identische Kopie der Provisorien bei einem Zahnarzt vor Ort herstellen. 

Hilfreiche Tipps

Prüfen Sie bitte vor Ihrer Reise ob Ihr Versicherungsschutz in Ihrem Reiseland und für die geplante Reisedauer ausreichend ist.

Da Sie Zahnbehandlungen im Ausland in der Regel bar bezahlen müssen, achten Sie auf eine Rechnung, aus der die Art der Behandlung hervorgeht. Eine einfache Quittung über die bezahlte Summe reicht nicht aus, um eine Erstattung bei Ihrer Versicherung zu erhalten.

Sollten Sie der Landessprache nicht mächtig sein, können Sie ein Übersetzungsprogramm auf Ihrem Smartphone einrichten. Wir haben mit leo.org gute Erfahrungen gemacht. Im Notfall kann das die Kommunikation erheblich erleichtern.

Sollten Sie sich aus beruflichen oder privaten Gründen mehrere Wochen oder gar Monate fern der Heimat und möglicherweise auch jedweder zivilisatorischer Segnungen – zu denen übrigens auch Zahnärzte gehören – aufhalten müssen oder dürfen und befürchten das Auftreten von Zahnproblemen, dann sprechen Sie Ihren Zahnarzt darauf an.

Er kann Ihnen bei Bedarf bei der Zusammenstellung eines Notbehandlungssets behilflich sein und Ihnen auch die Anwendung erklären.

In der Hoffnung, dass Sie diese Tipps nie brauchen werden, wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Urlaub.